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Bei den Dreharbeiten zu seinem vielleicht persönlichsten Film "In einem Jahr mit 13 Monden"
(Frankfurt am Main, Sommer 1978) lässt R.W. Fassbinder Volker Spengler in der Rolle der
Elvira Weishaupt – vor ihrer Geschlechtsumwandlung Erwin – die letzte Szene mit einem langen,
frei improvisierten Schlussmonolog beenden. Noch während Elvira an den Folgen ihres Selbstmordes
stirbt – von allen verlassen schneidet sie sich in der Wohnung die Pulsadern auf – resümiert
ihre von einem Tonband zugesteuerte Stimme die letzten fünf Tage eines Lebens, das von
neurotischen Abhängigkeitsverhältnissen, von Schuldgefühlen, vergeblicher Liebe und der
Suche nach Selbsterkenntnis geprägt war.
Achim Lengerer engagierte für seine Arbeit 13 Erzählungen eines Films das Schauspielerpaar
Tilla Kratochwil und Stephan Thiel, das dreizehn mal den Schlussmonolog nachimprovisiert.
Der Konflikt einer Person ist so in den einer Beziehung gelegt. Ihre Reden sind direkt, präzise,
im Ausdruck stilisiert. Die Stimmen folgen einander in einer endlosen Litanei. Sie laufen
synchron oder gehen ineinander über, während eine einzelne Sequenz aus Fassbinders Film über
die originale Spielzeit von 124 Minuten auf eine Leinwand projiziert wird. Gezeigt wird die
unendlich geloopte, im Originalfilm nur wenige Sekunden lange Einstellung auf den Kassettenrekorder,
der Elviras letzte Abrechnung mit sich und der Welt aufgezeichnet hat und nun abspielt.
In Fassbinders Film ist das Bild des Tonbandgerätes nur beiläufig eingeschnitten, eine
Momentaufnahme, in der eine weibliche Hand die Abspieltaste am Rekorder betätigt und daraufhin
Elviras Stimme aus dem Off ertönt. Für den Film selbst ist diese Szene jedoch wesentlich,
indem das Tonband die Spaltung von Elviras Bewusstsein in ein weibliches/männliches und ein
erinnerndes/erinnertes Ich versinnbildlicht. Achim Lengerer isoliert und wiederholt in seiner
Arbeit 13 Erzählungen eines Films nicht nur den Schlussmonolog, sondern auch seine bildliche
Quelle. Wie die Stimme ist auch das bewegte Bild in der Filmschleife gefangen und verursacht
einen paradoxen Zustand, eine Art von dauerhafter Zeitlosigkeit. Die Welt und die Worte haben
sich auseinander gelebt. (R.B.)
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Marcus Kaiser
Achim Lengerer

Shannon Bool
Hartwig Schwarz

Lisa Oppenheim
Andreas Zybach

Andreas Gehlen
Sascha Pohle
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